Islamische Lobeshymnen – Der Ilahi

Islamische Lobeshymnen – Der Ilahi

Im Volksmund versteht man unter Ilahi musikalisch vorgetragene Gedichte mit religiös-sufistischem Inhalt. Der Begriff entstammt aus dem Arabischen und bedeutet sinngemäß “Oh, erhabener Gott”. Ilahi’s enthalten im klassischen Sinne keine rituellen Gebete, dienen aber der Lobpreisung Allah’s und sollen die Liebesbekundungen zu Gott im höchstem Maße betonen. Als Gattung der klassischen türkischen Musik werden Ilahi’s in 7, 8 oder 11 Silben formuliert und in 3 bis 7 Strophen á 4 Verse unterteilt. Häufig baut der Poet sein Pseudonym in die Dichtung ein.

Bereits in vorislamischer Zeit waren Lobeshymnen ähnlicher Art ein oft verwendetes Mittel unter den Turkvölkern, um die religiösen Glaubensvorstellungen zu ehren und sind demnach in entsprechender Form zu betrachten. Als Element der glaubensspezifischen Lehrrichtlinien, konnten Ilahi’s heiligen Charakter besitzen, d.h. sie waren ein fester Bestandteil des religiösen Dogma’s und somit unveränderbar. Sie konnten aber auch als ein, von Menschenhand verschriftlichtes, Mittel zur Ehrung einer Gottheit durch verschiedene spirituelle Praktiken fungieren.

Je nach sufistischer Ordensgemeinschaft kann sich die Bezeichnung des Ilahi’s unterscheiden – im Mevlevi-Orden wird sie “ayin (Ritual)” genannt, im Bektaşi-Orden heißt es “nefes (Atemzug)”, die Aleviten wiederum betiteln ihre Form des Ilahi als “deme (Sinn)” oder “deyiş (Ausdruck)”. Als Instrumente werden oft die Ney-Flöte, die Bendir-Trommel und das Saiteninstrument Kanun verwendet. Das “Staatsensemble für klassische türkische Musik” hat sich auf die Pflege der klassischen Sufi-Musik spezialisiert und benutzt sogar ein ganzes Orchester.

Der Vorreiter des überwiegend in der Türkei praktizierten und Vers gebundenen Ilahi-Stils ist der im 14. Jahrhundert lebende mystische Volksdichter Yunus Emre. Durch ihn wurden erstmals die ansonsten im “Fasih” türkischen (eloquentes türkisch mit vielen persischen Elementen als Sprache für die Verwaltung und der Poesie) vorgetragenen Gedichte für das einfache Volk zugänglich gemacht.

Seyreyle güzel

Seyreyle güzel kudret-i Mevla neler eyler
Allah’a sığın adl-i Teala neler eyler

(Sieh dir an, was die Kraft Gottes ausrichten kann
Suche seinen Schutz und sieh, was seine Gerechtigkeit ausrichten kann)

Alemleri var eyleyen Allah-u Alimdir
Gözler görecek mihr-i mualla neler eyler

(Er ist der Allwissende, der die Welt erschaffen hat
Die Augen werden sehen, was der Barmhezige ausrichten kann)

Lutfi der-i dergah-i İlahi’de sebat et
Nazlı niyaz et Hakk’a temenna neler eyler

(Sei beharrlich in der Ausübung deines schönen Glaubens
Bete zurückhaltend und sieh, was ein Gottesgruß ausrichten kann)

Hazret-i Şeyh Muhammed Lutfi Efendi (1868-1956, Erzurum)

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