Atasöz – Türkische Weisheiten aus dem Leben

Atasöz – Türkische Weisheiten aus dem Leben

Atasöz – Türkische Weisheiten aus dem Leben

Nahezu jeder Türke hat mehrere Dutzend Lebensweisheiten in seinem Wortschaft und greift während seiner alltäglichen Dialoge in seinem Umfeld auf wenigstens einen Atasöz (zu deutsch „Ahnenwort“) zurück. Im türkischen auch als „sav“ oder „irsal-i mesel“ bezeichnet, spiegeln türkische Redewendungen die kulturelle Beschaffenheit und das kollektive Bewusstsein der Bevölkerung wider.

Ganz gleich ob formeller oder freundschaftlicher Austausch, im türkischen Sprachgebrauch ist die Verwendung von Lebensweisheiten das Tüpfelchen auf dem „I“ einer Unterhaltung. Deuten Sie doch nicht nur auf rhetorische Sprachgewandtheit und dem allgemeinen Sprachvergnügen hin, sondern entwirren komplexe Zusammenhänge und vereinfachen das Gespräch enorm – für fast jede Situation oder jeden Gemütszustand gibt es den passenden Atasöz.

Dabei ist es vollkommen irrelevant, ob aufgrund der Vielfalt an Redewendungen sich einige manchmal widersprechen und praktisch gegenteilige Wahrheiten offenbaren. Während etwa der Atasöz „Wer seinen Kummer nicht offenbart, findet keine Heilung(„Derdini söylemeyen derman bulamaz“) zur offenen Problembehandlung ermutigt, wird durch die Redewendung „Offenbare kein Geheimnis deinem Freund, er erzählt es seinem Freund(„Sırrını verme dostuna o da söyler dostuna“) zur Geheimhaltung angehalten. Dass jeder Mensch für seine Taten verantwortlich gemacht wird, besagt die Lebensweisheit „Jedes Schaf wird an seinem eigenen Bein aufgehangen(„Her koyun kendi bacağından asılır“), andereseits „brennt neben dem Trockenen auch das Feuchte(„Kurunun yanında yaş da yanar“).

Wie in anderen Kulturen auch, sind die Urheber der Redewendungen weitestgehend anonym und eher volkstümlicher Natur. Häufig enthalten Sie Metaphern, die erst im regionalen oder historischen Zusammenhang nachvollziehbar werden – Wort oder Wortlaut sind daher unveränderlich, da ansonsten die Bedeutung oder die Wendung verloren geht.

Die genaue Anzahl der Redewendungen ist unbekannt. Die früheste Sammlung von türkischen Lebensweisheiten kann auf das Jahr 1420 zurückdatiert werden – in einem Buch namens „Teshil“ (befindet sich heute in der „Millet Bibliothek“ in Fatih / Istanbul) wurden im Anhang handschriftlich 698 Atasözü notiert. Diese Zahl dürfte sich mittlerweile vervielfacht haben.

Eine Auswahl von populären Atasöz möchte ich euch aber nicht vorenthalten:

Keçinin sevmediği ot, burnunun dibinde bitermiş
(Die Kraut, dass die Ziege nicht mag, wächst ihr unter der Nase)

Davulun sesi uzaktan hoş gelir
(Der Klang der Trommel klingt angenehm aus der Ferne)

Gülme komşuna, gelir başına
(Verhöhne nicht deinen Nachbar, sonst geschieht dir das Gleiche)

Acele işe şeytan karışır
(In übereilte Handlungen mischt sich der Teufel ein)

Körle yatan şaşı kalkar
(Schläft man mit einem Blinden, wacht man schielend auf)

Acı söz insanı dininden, tatlı söz yılanı deliğinden çıkarır
(Ein bitteres Wort bringt den Menschen vom Glauben ab, ein süßes Wort bringt die Schlange aus dem Loch)

Deliye hergün bayram
(Für den Irren ist jeder Tag ein Feiertag)

Yalancının mumu yatsıya kadar yanar
(Die Kerze des Lügners brennt nur bis zur Nacht)

Gülü seven dikenine katlanır
(Wer die Rose liebt, erträgt auch ihren Dorn)

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