Pioniere der Fotografie – Pascal Sébah

Pioniere der Fotografie – Pascal Sébah

Pioniere der Fotografie – Pascal Sébah

1857 eröffnete Pascal Sébah im Stadtteil Péra dass prestigeträchtige Studio ‚El-Chark‘ (‚Der Orient‘) als Ein-Mann-Betrieb und begann damit eine außergewöhnliche Karriere. In bereits kurzer Zeit stieg sein Ansehen enorm, da die Nachfrage nach orientalischen Photographien in diesen Jahren groß war. Vermutlich genügte die Kapazität seines Studios dem Massenansturm nicht, so dass er in den frühen 1860er Jahren auf die Grand Rue de Péra umzog. Das alte Studio verwendete er allerdings weiterhin als Labor.

Pascal Sébah hatte sich zunächst auf die Sehenswürdigkeiten Istanbul’s spezialisiert, die er, dank seiner perfektionierten Technik, in Massen vervielfältigte und den Bedürfnissen der Kunden entsprechend hierarchisierte. Seine erste Serie von Istanbul-Photographien aus dem Jahre 1862 gilt heute als Rarität. Der aufkeimende Tourismusboom verzeichnete dem Unternehmen einen Aufschwung und bescherte ihm besondere Empfehlungen der damals bekannten Reiseunternehmen Karl Baedecker und John Murray.

Istanbul Fotografie

In dieser mehrteiligen Serie durchleuchten wir die historische Entwicklung der Fotografie in Istanbul – mit vielen historisch wertvollen Fotografien und diversen Hintergrundinformationen.

Die Anfänge seiner Karriere

1873 eröffnete er außerdem ein Studio in Kairo und arbeitete bis 1880 mit dem Franzosen Henri Bechard zusammen. Der Katalog mit dem Titel ‚Catalogue des Vues d’Egypte, Nubie, Athènes, Constantinople et Brousse‘ aus dem Jahre 1875 beinhaltete mehr als 400 Photographien und sechs Panoramen, die von Pascal Sébah zum Verkauf angeboten wurden. Sie wurden in vielen Buchläden, Geschäften und Hotels in Istanbul, Ägypten und anderer Großstädte des Nahen Ostens vertrieben.

Wichtige Akzente setzte Pascal Sébah bei den Porträtphotographien. Aus finanzieller Sicht bildeten sie einen wichtigen Aspekt für den Erfolg des Studios. Mit den Gebrüdern Abdullah und Vassilaki Kargopoulo hatte Sébah mit ernsthafter Konkurrenz zu kämpfen, genossen sie doch darüber hinaus die Unterstützung des Sultanspalasts. Während die Rivalen sich auf die typischen Kostüme des alltäglichen Lebens in Istanbul konzentrierten, zentralisierte Sébah sein Objektiv auf die orientalistische Nische von hauptsächlich weiblichen Motiven.

Aufträge für den Sultan

Seinen Bekanntheitsgrad steigerte Pascal Sébah in den Folgejahren durch die Teilnahme an verschiedenen Ausstellungen und Aufträgen durch den Sultanspalast. Erste internationale Anerkennung erhielt er bei einer Exposition der ‚Societé Francaise de Photographie‘ 1870 in Paris. Er beeindruckte vor allem mit einer 360-Grad Panoramaphotographie von Istanbul, für die er mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurde. 1898 erhielt er den Titel ‚Photographen des Preußischen Hofes und der Botschaften’ für seine Aufnahmen während des Staatsbesuches des deutschen Kaisers Wilhelm II. in Istanbul.

Eine seiner wichtigsten Arbeiten war sicherlich die Anfertigung des Elbise-i Osmaniyye / Les Costumes Populaires de la Turquie en 1873 Katalogs für die Wiener Weltausstellung. Das Album, wovon insgesamt nur 600 Exemplare gedruckt wurden, gilt als eines der wichtigsten Beiträge für die Photographie in Istanbul des 19. Jahrhunderts. Sébah erhielt für dieses Werk ein ‚Mecidi‘-Orden der fünften Klasse. Das Studio wurde außerdem für dessen Mitwirkung bei dem Geschenkalbum des Abdul Hamid für die ‚Library of Congress‘ in Washington ausgezeichnet und mit dem Titel des Hofphotographen versehen.

Sébah & Joaillier

Einen tiefgreifenden Rückschlag musste das Studio 1878 hinnehmen, nachdem im Labor ein Feuer ausbrach und sowohl die Geräte, als auch die jahrelang angesammelten Negative von Istanbul, Bursa, Edirne, Kairo und Athen unwiderruflich zerstörte. 1886 schließlich verstarb Pascal Sébah in Istanbul, doch sein Studio sollte sich von den katastrophalen Folgen erholen. Der in Istanbul gebürtige französische Photograph Polycarpe Joaillier übernahm die Firma und ließ in einem ehrgeizigen Projekt das Studio unter dem neuen Namen ‚Sébah & Joaillier‘ erneut aufblühen.

Wohlwissend, dem alten Glanz nicht mehr gerecht zu werden, richtete er das Augenmerk nunmehr auf den Sultanspalast und bediente sämtliche Zeitungen der Stadt mit Photographien. Darüberhinaus wurde der osmanische Markt durch die rasant entwickelnden Ansichtskarten erobert. Auch in dem neuen Medium kaufte sich das Unternehmen ein. Man erhoffte sich außerdem den unerfahrenen Konstantin Kargopoulo, Sohn des 1886 verstorbenen Vassilaki Kargopoulo, von seiner geerbten Position als Hofphotographen abzulösen. Zu diesem Zweck fertigte das neue Unternehmen ‚Sébah & Joaillier‘ ein Album mit Photographien aus Bursa an und erhielt dafür von Sultan Abdul Hamid einen ‚Mecidi‘-Orden der dritten Klasse. Der Titel des Hofphotographen blieb Joaillier allerdings verwehrt – dieser wurde 1889 den Gebrüdern Abdullah übergeben. Letztgenannte zogen sich schließlich 1899 aus dem Geschäft zurück, worauf Joaillier die Möglichkeit nutzte sein Archiv zu vergrössern. Er kaufte das Studio der Gebrüder Abdullah für 1200 osmanische Lira und bereicherte somit entscheidend die Auswahl an Motiven für den neu entstandenen Ansichtskartenmarkt.

Am 13. Februar 1904 verstarb Polycarpe Joaillier unerwartet in Paris. Er wurde in Istanbul beerdigt, während sein Sohn Gustave gemeinsam mit Jean Sébah, dem Nachkömmling Pascal’s, zunächst seine Nachfolge antrat. Nachdem die Filiale in Kairo aufgrund mangelnder Nachfrage schließen musste, zog sich Gustave aus dem Geschäft zurück und Jean Sébah leitete das Studio in Istanbul mit einem neuen Künstler namens Agop Iskender bis 1934 als ‚Foto Sabah‘. 1950 schloss das Atelier nach fast 100 jähriger erfolgreicher Arbeit endgültig die Pforten. Ein Verkaufskatalog von 1932 listete mit Beginn des Jahres 1888 insgesamt 2000 Photographien inklusive der Negative, wovon 1660 Aufnahmen der Stadt am Bosporus zugeordnet werden konnten.

Literatur

  • Engin Özendes – Sebah & Joaillier’den Foto Sabah’a – Fotografta Oryantalizm, 1999
  • Roswitha Buchner – Die Photographenfirma Sebah & Joaillier: Das Bild Istanbuls im 19. Jahrhundert, 1997

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