Pioniere der Fotografie – Bahaettin Rahmi Bediz

Pioniere der Fotografie – Bahaettin Rahmi Bediz

Pioniere der Fotografie – Bahaettin Rahmi Bediz

Die Übergangsphase des Osmanischen Reiches bis zur Gründung der türkischen Republik war eine Zeit der Veränderungen. Im Bereich der Photographie äußerte sich dies im Zuwachs der muslimischen Photographenzunft, die bis dato hauptsächlich von der nicht-muslimischen Bevölkerung getragen wurde. Einer der Pioniere der türkischen Photographie war Bahaettin Rahmi Bediz – er gilt als der Gründer des ersten türkisch-muslimischen Photographenstudios.

Istanbul Fotografie

In dieser mehrteiligen Serie durchleuchten wir die historische Entwicklung der Fotografie in Istanbul – mit vielen historisch wertvollen Fotografien und diversen Hintergrundinformationen.

1875 in Istanbul geboren, stammt seine Familie ursprünglich aus Kreta. Die Mittelmeerinsel befand sich bis zum Ende der Balkankriege 1913 unter osmanischer Obhut und wurde anschließend Griechenland angeschlossen. Seine Kindheit verbrachte er in der kleinen Ortschaft Hania, nachdem sein Vater Ibrahim Rahmi Efendi, ein hochrangiger Politiker, kurz nach seiner Geburt nach Kreta einberufen wurde. Hier verblieb die Familie bis 1883 und zog daraufhin wieder zurück nach Istanbul, wo Bediz 1895 das Gymnasium abschloss. Sein zwischenzeitlich verstorbener Vater hinterließ ihm ein Haus, das er verkaufte um sich zu verselbständigen und ein türkisches Unternehmen zu gründen. Bediz erklärt im Interview, dass er durch sein Erbe die einmalige Möglichkeit vorfand, sich der professionellen Photographie hinzugeben. Gleichzeitig betonte er, dass die Mentalität der damaligen Zeit und ebenso seine Familie dem skeptisch gegenüberstand. Wie bereits mehrfach erwähnt, waren staatliche Berufe unter der muslimischen Bevölkerung anerkannter als die eines kleinen Händlers.

Anfänge als Fotograf

Aus seinem Tagebuch wird ersichtlich, dass Bahaettin Rahmi Bediz bereits 1895 mit den Vorbereitungen für einen kleinen Schreibwarenladen begann und kurze Zeit darauf durch die Hilfe eines Bekannten Material erstand, darunter ein Photoapparat. Am 28. Dezember 1895 eröffnete er auf Kandia/Kreta schließlich seinen kleinen Schreibwarenladen, beschäftigte sich fortan jedoch mehr mit der Photographie. Die Frage nach der Aneignung der Technik bleibt zwar unbeantwortet, ist aber obligatorisch. Denn zu diesem Zeitpunkt war die Photographie bereits fester Bestandteil der türkischen Gesellschaft und Bediz fand eine Vielzahl von Möglichkeiten vor. Es gab Bücher und spezifischen Unterricht, die die Methodik und das Verfahren veranschaulichten. Auf ein Selbststudium deutet die große Anzahl an Fachliteratur, die er aus Frankreich importieren ließ.

Mit den innenpolitischen Ereignissen im Osmanischen Reich und der hiermit eingebrochenen Wirtschaftskrise ereilte ihn schließlich die Erkenntnis, daß sein Geschäft keine Zukunft habe, dies aber den Übergang zu seiner wahren Bestimmung bedeute. Er verblieb von 1896 bis 1909 auf Kreta und widmete sich ausschließlich der Photographie. Seine wichtigste Serie während dieser Zeit bestand aus 201 Postkarten mit Bildern aus dem sozialen Leben Kreta’s. Darüberhinaus verfügte er über mehrere Panorama Photographien in der Größe von 18x72cm die er teilweise mit Anilin einfärbte.
Außerdem machte er Bilder von archäologischen Ausgrabungen in Knossos für den Engländer Arthur John Evans, Sohn des berühmten Archäologen und Geologen John Evans. Bis heute gilt Bahaettin Rahmi Bediz als der erste Photograph, der historische Aufnahmen von Kreta anfertigte.

Das erste türkische Fotostudio

Nach der zweiten, von Sultan Abdul Hamid II. eingeführten, Verfassungsperiode, beschloß Bediz 1909 Kreta endgültig zu verlassen. Er überließ das Atelier seinem Gesellen Hamza Rüstem und zog nach Istanbul um hier ein neues Studio zu eröffnen. Im Stadtteil Cagaloglu verwirklichte er dieses Vorhaben binnen kurzer Zeit und gab ihm den Namen ‚Resne‘, als Respektsbekundung an die Geburtsstadt Niyazi Bey‘s. Dieser hatte einen Aufstand gegen die griechischen Besatzer organisiert und trug somit eine wesentliche Verantwortung für die Zwangseinführung der neuen Verfassung.
Seine Motivauswahl unterschied sich nicht allzu gravierend von dem eines Vassilaki Kargopoulo. Sie waren eher als nüchtern und objektiv einzustufen. Neben Porträtbildern und Photografien von verschiedenen Bauten oder Szenerien, konnten außerdem Aufnahmen von archäologischen Ausgrabungen aus Anatolien ermittelt werden.
Die Eröffnung des ersten türkisch-muslimischen Studios kann man heute als Wendepunkt für türkische Photographen ansehen. Die mit dem islamischen Bilderverbot begründete Distanz zur Photographie muslimischer Bürger fiel, zum Teil auch aufgrund des Säkularisierungsprozesses, nach und nach ab. Bediz spielte hierbei eine große Rolle, teilte er doch seine Kenntnisse und sein Wissen über das vermeitnlich neue Medium und über die photographischen Verfahren bei entgeltfreien Kursen in seinem Studio.

So wurden unter seiner Anleitung neue Gesellen herangebildet, Amateuren die Arbeiten im Dunkelzimmer erklärt oder Retusche Techniken beigebracht. Sein Ziel war es, die Photographie 70 Jahre nach seiner Erfindung auch unter den einfachen türkisch-muslimischen Bürgern als gesellschaftsfähige Form der Kunst oder der Dokumentation zu etablieren. Den Ansporn bezog er aus einem patriotischen Motiv, konnte sich Bediz doch nicht damit abfinden, dass der Istanbuler Markt von ausländischen Unternehmen bestimmt wurde:

Mein erster Wunsch nach Handel resultierte aus einem nationalen Gefühl heraus. Wenn ich die Brücke überquerte sah ich auf den großen Schiffen die den Hafen belagerten nur ausländische Fahnen. Unsere ruhmreiche Fahne auf alten Schiffen zu sehen machte mich eher traurig, als das es mich trösten konnte. Die ganze Umgebung um Galata und Beyoglu war voll von ausländischen Geschäften, es gab nicht eine türkische Firma. Diese Tage und diese Gedanken haben bei mir tiefe Spuren hinterlassen und indem ich ein großes türkisches Unternehmen gründete, zeigte ich zumindest Präsens.

Literatur

  • Seyit Ali Ak – Fotograf ve kartpostallariyla Girit’ten İstanbul’a Bahaettin Rahmi Bediz : Beyaz atlı fotografcı 1875 – 1951, 2004

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