Dekoration von Textilien im osmanischen Reich

Dekoration von Textilien im osmanischen Reich

Dekoration von Textilien im osmanischen Reich

Das Dekorieren und Ausschmücken imperialer Kleidung in der islamischen Welt hat Ihre Wurzeln in Anatolien. Der Grundstein wurde im heutigen Bursa gelegt und hat sich schnell in die Kunst- und Kulturmetropole Istanbul ausgedehnt. Sämtliche Feinheiten entwickelten sich allerdings in der Stadt am Marmarameer und etablierten Bursa zu den wichtigsten Textil Städten der Welt.

Im 15. und 16 Jahrhundert erblühte die Stadt Bursa zum Handelszentrum für Textilien und war berühmt für ihre Stoffe aus Seide, Samt sowie Wolle. Weltweite Exporte nach Ungarn, Polen, Italien, dem Balkan und sogar dem chinesischen Textilmarkt untermauerten die Ausnahmestellung Bursa’s als Exporteur und Lieferant hochwertiger Stoffe. Auch im Inland galt Bursa als primäre Anlaufstelle für die osmanischen Herrscherfamilien, dessen Qualität und Merkmal zweifelsohne in der Vielfalt an Motiven und Mustern zu finden war.

Die osmanischen „Palast-Textilien“ wurden speziell für die Sultansfamilie sowie Palastangehörige genäht und sind reich an unterschiedlichen Utensilien. Besonderes Augenmerk sei hier auf die Muster und Farben gelegt, die im 14. Jahrhundert äußerst lebendiger Natur waren. Korpulente Kegel, Blätter, Äpfel und generell großräumige Gebilde waren Motive, die sich besonderer Beliebtheit erfreuten.
Das 15. Jahrhundert wiederum war maßgebend für die Entwicklung der klassischen osmanischen Künste. Das von den seldschukischen Künsten übernommene Repertoire an Rumi – Motiven, blieb bis in das 20. Jahrhundert aktuell und hat weiterhin Bestand. Kompositionen von tierischen Motiven sowie Elementen, die Macht und Herrschaft symbolisieren, dekorierten insbesondere die Roben der Hohen Pforte.

Neben den klassisch-seldschukischen Ornamenten waren es Einflüsse aus dem fernen Osten, sogenannte Çintemani (chinesische Wolken), die in die Textil-Kunst der Osmanen einliefen. Die frühesten Beispiele können auf das Jahr 1472 datiert werden, nachdem der hiesige Sultan Fatih Mehmet ein Keramikpavillon mit chinesischen Mustern erbauen ließ. In den türkischen Dekorationskünsten sind Çintemani Einflüsse in nahezu allen Stilen erkennbar.

Ähnlich effektvoll wirkten im 15. Jahrhundert italienische Impressionen auf die Textilien. Die seit Jahrhunderten anhaltenden politischen sowie wirtschaftlichen Beziehungen beider Imperien haben das Fundament für einen reichhaltigen kulturellen Austausch geebnet. Die komplizierten Rumi-Muster auf dem Gemälde „Ein türkischer Maler“ des italienischen Künstlers Gentile Bellini – ausgestellt im Boston Gardner Museum – seien hier als Beispiel genannt.

Während der Anfänge des 16. Jahrhunderts haben sich Leopardenflecken sowie Tigerlinien als Muster durchgesetzt. Exemplarisch für diese Periode können ferner Tulpen und Nelken Motive benannt werden, die gemeinsam mit den traditionellen Rumi – Motiven, den stilisierten floralen Mustern und den gewundenen Blatt- bzw. Dolch-Kompositionen ein vielfältiges, komplexes Repertoire an Dekorationselementen sowie -techniken darstellten. Die naturalistischen Blumen und Pflanzen Dekorationen, die sich in sämtlichen Künsten der Glanzperiode des osmanischen Reiches wiederfinden, können auf die erfolgreiche Herausbildung der türkischen Textil-Kunst zurückgeführt werden.

Bei der Farbauswahl spielte rot in diversen Variationen und Tönen eine entscheidende Rolle. Ihre besondere Qualität nicht zu verblassen, bleibt noch heute ein Geheimnis, dass gelüftet werden muss. Weitere gern verwendete Farben waren blau, grün, schwarz, beige und goldig anmutende Gelbtöne.

Das folgende Jahrhundert brachte zwar keine wesentlichen Neuerungen in der Motivauswahl mit, galt allerdings als eine Phase, in der die Kunstform sich festigte. Die im Rahmen der holländischen Malereien verwendeten Tulpenformen, dürfen als eine der wenigen Innovationen bezeichnet werden, die sich im besonderen Maße in den türkischen Dekorationen und Kompositionen eingesetzt wurden.

Das 18. Jahrhundert stellt einen Rückgang im Textilhandwerk dar. Der Import von Webmaschinen und die europäische Industrialisierung schadete den osmanischen Textil-Künsten enorm. Dennoch konnte der letzte Atemzug bei der Herstellung handgemachter, qualitativer und fein dekorierter Stoffe insbesondere bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hinausgezögert werden.

Vielen Dank an Frau Hülya Cam für die Bilder und das Quellmaterial

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