Ara Güler – Das Auge Istanbuls

Ara Güler – Das Auge Istanbuls

„Einer der sieben besten Fotografen weltweit“ – „Meister der Leica“ – „Einer der zehn Meister der Farbfotografie“ – „Fotograf des Jahrhunderts“. Während seiner aktiven Zeit eilte die 83-jährige Legende Ara Güler von Auszeichnung zu Auszeichnung und von Superlativ zu Superlativ. Doch das Herz des Magnum-Fotografen schlägt immer dann am Höchsten, wenn er sein altes Istanbul dokumentiert.

Wer ist Ara Güler?

Als Kind einer armenischen Apothekerfamilie, kommt Ara Güler am 16. August 1928 im Istanbuler Stadtteil Beyoglu auf die Welt. Seiner Faszination für das Kino nachgehend, arbeitet er während seiner Schulausbildung auf dem Getronagan Gymnasium in Istanbul in verschiedenen Filmstudios. Bei Muhsin Ertugrul, dem Pionier des türkischen Theaters nach westlichem Vorbild, beginnt er eine Schauspielausbildung und studiert zudem Wirtschaftswissenschaften. 1950 arbeitet er bei der Zeitung „Yeni Istanbul“ und veröffentlicht diverse Artikel in armenischen Zeitschriften.

Ende der fünfziger Jahre arbeitet Ara Güler als Nahostkorrespondent für namhafte Zeitschriften wie Der Stern, Time-Life sowie Paris Match. Seine hervorragenden Qualitäten als Fotograf bleiben nicht unbeachtet – 1956 macht er Bekanntschaft mit Henri Cartier Bresson, Mitbegründer der unabhängigen Foto- und Fotografenagentur „Magnum Photos„, sowie Marc Riboud, dem späteren Vizepräsident der europäischen Niederlassung des Unternehmens. Ab 1961 ist er bei der Zeitschrift „Hayat“ als Cheffotograf tätig.

Als gestandener Fotograf mit einem unbeschreiblichen Porftolio, wird er im selben Jahr von der Photography Annual Antholgy als einer der „7 besten Fotografen weltweit“ gekürt. Im selben Jahr erlangt er die Mitgliedschaft bei der American Society of Media Photographers und wird im Folgejahr mit dem Titel „Meister der Leica“ geadelt. 1968 wird er vom Museum of Modern Art / New York zu den „Zehn Meistern der Farbfotografie“ gewählt, 1999 erhält er außerdem die türkische Auszeichnung als „Fotograf des Jahrhunderts„.

Ara Güler betreibt heute eine kleines, gemütliches Cafe im Taksim Platz in Istanbul, ist aber weiterhin ein leidenschaftlicher Fotograf geblieben. Während seiner aktiven Zeit hat er zahlreiche Prominente wie Bertrand Russel, Winston Churchill, Indira Gandhi, Maria Callas, Alfred Hitchcock, Arnold Toynbee, Picasso oder Salvador Dali abgelichtet.

Künstler oder Journalist

Eine der meist debattierten Themen über Ara Güler ist die Frage, ob er ein Künstler oder Journalist sei. Er selbst verneint die Suche nach einem künstlerischen Anspruch im seinen Aufnahmen und unterstreicht seinen Status als Fotojournalist. Tatsächlich enthalten seine Bilder einen dokumentarischen Charakter und stellen Momentaufnahmen der Realität dar, die völlig losgelöst von jeglichen, künstlerischen Aspekten stehen. „Fotografie muss keine Kunst sein. Fotos sind historische Ereignisse. Sie bemächtigen sich der Geschichte. Mit einer Kamera hältst du die Geschichte an.“

Seiner Definition nach, haben Künstler andere Aufgaben: „Sie bezeichnen sich als Künstler und denken, sie seien etwas Besonderes,“ erklärt Ara Güler. „Doch so einfach ist das nicht. Du musst ein zurückhaltender Mensch sein, bevor du ein Künstler sein kannst […] Die Welt wird nicht reicher nur weil Picasso ein Bild gemalt hat, sondern weil Künstler eine kulturelle Akkumulation konstruieren und sie an künftige Generationen transferieren. Der (nordkoreanische) Diktator beispielsweise ist gestorben und wurde durch einen anderen ersetzt. Aber du kannst keinen Picasso ersetzen. Du kannst niemals einen Mimar Sinan ersetzen.“

Im Zentrum seiner Arbeit sieht er nicht den Fotografen, sondern das Subjekt und dessen Geschichte, dass durch sein Linse einfriert und für die Nachwelt sichert. „Ich fotografiere alles, was ich sehe,“ beschreibt er seine Tätigkeit. „Denn Fotografen möchten alles dokumentieren. Wir sind Historiker. Wir zeichnen die Ära, in der wir leben, visuell auf. Und ich nehme meine Era auf, um sie an künftige Generationen zu übermitteln.“

Das Auge Istanbuls

Mehr als die unzähligen Portrait Fotos von berühmten Persönlichkeiten, sind es die schwarz-weiß Fotos des alten Istanbuls aus seiner Leica, die den Altmeister erfreuen und zugleich in Melancholie versetzen. Die Metropole am Bosporus hat für ihn seinen ureigenen Charme – zermürbt von den Europäisierungsbestrebungen und gefangen in alten Traditionen, verbirgt sie sich hinter einer zwiegespaltenen Persönlichkeit, die den Charakter ihrer Bewohner fast schon in poetischer Anmut zu erzählen vermag.

Es ist der Kontrast zwischen neu und alt, Skylines und Armenviertel, Glanz und Bescheidenheit, die Ara Güler wie eine Momentaufnahme im Zeitraffer unzählige Male ablichtet und die zerrissene Stimmung im Glanz der fünfziger und sechziger Jahre einfängt. Und im Fokus – die Menschen und deren Schicksale, das einfache Leben. Spielende, glückliche Kinder, nachdenkliche, traurige oder zufriedene Szenen von Frauen, Männern und alten Menschen, die häufig nicht einmal wissen, dass sie Teil einer Dokumentation sind, die die Geschichte einer Stadt durch dessen Augen erzählt.

Seine schönsten Fotos werden im Buch „Ara Güler. Fotografien 1950-2015“ illustriert.

„Die Menschen sind meine Welt. Wenn ich die Hagia Sophia fotografiere, ist für mich am wichtigsten der Mensch, der an ihr vorbeiläuft.“

Letzte Aktualisierung am 18.04.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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2 Comments

  • ulla arnold
    7 Jahren ago

    suche eine fotografin namens tülin altence,lebte 1970 in frankfurt,würde mich freuen wenn sie mir helfen können.sok teceküederim ulla

    • 7 Jahren ago

      Hallo Ulla, der Name sagt mir persönlich leider Nichts, aber ich hoffe, dass sich jemand meldet.
      Liebe Grüße

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