Der Tesbih – Islamische Gebetsketten

Tesbih von Elif Ayse - Al Omari Moschee in Bosra
© Elif Ayse auf Flickr.com

Über den heiligen Koran sagt man, dass Sie in Mekka offenbart, in Ägypten rezitiert, in Istanbul geschrieben wurde und deutet damit auf die erhabene Kalligraphie Kunst im osmanischen Reich hin. Ähnlich verhält es sich mit der Tesbih Kunst, das übersetzt “lobpreisen” bedeutet. Die Herstellung von Gebetsketten genießt unter den Türken eine langjährige Tradition und kann durch das folgende Sprichwort definiert werden: Im Universum lobpreist alles Allah und am schönsten lobpreisen die Türken. (Kainatta hersey Allah’i tesbih eder ve tesbihin en güzel’ini türkler ceker).



Ein Sprichwort besagt, dass der Arbeiter mit Händen, der Handwerker mit Händen und Kopf, der Künstler mit Händen, Kopf und Herz arbeitet. Die Herstellung des Tesbihs beherbergt die Geduld, die Kreativität und ein Stück Seele des Künstlers – für die wahren Meister bedeutet die islamische Gebetskette mehr als nur die Aneinanderreihung von Perlen. Die Zurückhaltung des Geistes bei der Auswahl der Materialien, die meditativen Gespräche, während die Perlen geduldig durch den feinen Faden geführt werden oder die bescheidene Genugtuung, nachdem die fertige Kette durch den sog. Imame vollendet wird, wirken wie Balsam für die Seele und rufen eine Bewunderung hervor, die an ein persönliches Bittgebet erinnern.

Der Tesbih als Ritual

Der Tesbih dient als Vermittler zwischen Mensch und Allah. Die klassische Gebetskette hat 99 Perlen, wovon jede einzelne die 99 Namen Allah’s repräsentiert. Üblich sind aber auch Versionen mit lediglich 33 Perlen. Eine Ausnahme bilden die Gebetsketten für den Dhikr – ein intensives Gebetsritual oder Meditation – die aus 500 oder 1000 Perlen besteht.

Ein praktizierender Muslim beendet sein tägliches Gebet mit dem Ausruf der 99 Namen Allah’s und verwendet als Orientierung den Tesbih. Da man allerdings häufig nicht alle Namen auswendig kennt, spricht man je 33 mal die drei islamischen Aussprüche “subhanallah” (Allah ist erhaben), “elhamdulillah” (Gott sei gelobt) und “Allahuekber” (Allah ist groß). Zur Vereinfachung ist der Tesbih nach je 33 Perlen getrennt durch einen sog. durak (Stopper) oder nişane (Merker). Die Schnur läuft an der sogenannten Imame zusammen und markiert an dieser Position den Start- und Endpunkt. Während der osmanischen Periode wurde die Imame eher breit und kurz angelegt, während heutige Tesbih Künstler einen dünneren, dafür längeren Schliff vorziehen. Ein peitschenartiger Puschel mit variantenreichen und filigranen Drahtornamenten an der Spitze der Imame, als kamçı bezeichnet, bildet häufig den ästhetischen Abschluss der Kette.

Die Herstellung des Tesbihs

Je nach Qualität und Besonderheit variiert die Herstellung des Tesbihs, dessen Höhepunkt im 19. Jahrhundert erreicht wurde, zwischen einem Tag und einem Monat. Die Perlen können aus gewöhnlichem Kunststoff oder Holz, aber auch aus exotischen Materialien wie Koralle, Elfenbein oder diversem Edelstein, die aus allen Ecken der Erde importiert werden, bestehen. Bei einem exklusiven Tesbih wird heutzutage allein der Arbeitsaufwand mit 300$ – 1500$ veranschlagt, während speziell angefertigte Sammler-Gebetsketten Abnehmer für bis zu 50.000TL finden.

Das folgende Beispiel illustriert, welche Ausmaße das Tesbih Handwerk schon vor Jahrhunderten angenommen haben muss: Der osmanische Sultan Ahmed I, Erbauer der berühmten Blauen Moschee (Sultan-Ahmed-Moschee) in Istanbul 1616, möchte die Gesamtkapazität des Bauwerks in Erfahrung bringen und greift dazu auf eine ungewöhnliche Maßnahme zurück. Zum ersten Freitagsgebet nach Eröffnung der Moschee ordnet er kurzerhand die Ausgabe von Tesbihs mit Aloeperlen für alle eingehenden Moschee Besucher an. Zur Gegenprüfung werden alle ausgehenden Besucher zusätzlich mit Gebetsketten aus Ahornperlen beschenkt. Zu diesem Anlass werden je 86.000, also insgesamt 172.000 davon verteilt. Die enorme Menge der in kurzer Zeit hergestellten Tesbihs sowie die Beschaffung der benötigten Materialien deuten auf einen hochpotenten Wirtschaftszweig und einer besonderen Ausprägung des Handwerks innerhalb der Bevölkerung hin.

Es sind Tesbih Meister wie Tophaneli Sadık usta, Mevlanakapılı Mahmud usta, Horozun Salih usta aus der osmanischen Periode, sowie Hilmi efendi, Akgerdan Mehmet Cemil bey, Edinekapılı Galib Başsaka efendi nach Gründung der Republik Türkei, die sich verantwortlich zeichnen für den internationalen Bekanntheitsgrad des Tesbihs.

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Vielen Dank an Hülya Cam für die zahlreichen Informationen

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2 Kommentare auf "Der Tesbih – Islamische Gebetsketten"

  1. Aleykümselam Edin, es spielt keine Rolle, wie du den Tesbih aufhängst. Der Tesbih ist für Muslime kein sakrales Symbol, sondern nur ein Hilfsmittel, um das tägliche Gebet zu verrichten.

  2. Edin sagt:

    Selam

    Ich bin Bosnischer Moslem. Meine frage wie halte ich den Tesbih wenn ich es aufhängen möchte?
    Ich bin mir nicht sicher da die Ortotoxen auch Ihren Tesbih haben.
    Ist der Zipfel bei uns nach oben oder nach unten gerichet.
    Für die Antwort würde es mich freuen Danke.

    Selam Edin

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