Matrak – Kampfsport im osmanischen Reich

Matrak – Kampfsport im osmanischen Reich

Matrak – Kampfsport im osmanischen Reich

Den Begriff „Kampfsport“ assoziieren wir unweigerlich mit dem fernen Osten. Schließlich liegen die Ursprünge hierzulande bekannter Stile im asiatischen Raum. Ein Kampfsport im osmanischen Reich klingt erstmal exotisch – kannte man die Türken zumal eher als exzellente Reiter und Bogenschützen. Doch die Historie des Matrak Kampfsports reicht mindestens bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Matrak ist ein Kampfsport, der überwiegend im osmanischen Militärkader gespielt wurde. Soldaten haben, mit einem Leder ummantelten Stock und Schild bewaffnet, als Training für den Ernstfall in Schaukämpfen und Sparrings auf dem Rasen gegeneinander gekämpft. Ziel war es, den Gegner durch Schlägen an Kopf und Körper kampfunfähig zu machen. Sofern kein eindeutiger Sieger ermittelt werden konnte, entschied der Kampfrichter nach Punkten den Gewinner. Professionelle Matrak Kämpfer, häufig „Sipahis“ – Reitertruppen im osmanischen Herr – oder „Janitscharen„, waren äußerst agil und akrobatisch und haben den Sport ohne Schutzbekleidung sowie mit Schwertern betrieben.

Geschichte des Matrak Kampfsports

1529 schrieb der Wissenschaftler, Historiker und Matrak-Kämpfer Nasuh bin Karagöz bin Abdullah el-Bosnavî, ein Osmane bosnischen Ursprungs, erstmals die Regeln des militärischen Kampfsports Matrak nieder und definierte die sportlichen Standards. Forscher gehen davon aus, dass der Sport zu diesem Zeitpunkt bereits eine weit längere Historie aufwies. In der Seyahatname des Evliya Celebi aus dem 17. Jahrhundert heisst es, dass Sultan Murad IV. allein 70 Varianten des Spiels kannte. Insgesamt, so heisst es, gibt es mehr als 160 Arten des Matrak Sport’s die allerdings nicht schriftlich oder bildlich überliefert wurden.

Mit der Zerschlagung der Janitscharen („Vaka-i Hayriye“) im 19. Jahrhundert und der Neuordnung des Militärs wurde der Einsatz des Schwertes im osmanischen Reich verboten und damit auch alle Sportarten, die darauf gründeten. Heutzutage hat der Matrak Kampfsport wieder Anklang in der Bevölkerung gefunden und wird im Rahmen des „Türkischen Verbands für traditionelle Sportarten“ (GSDF) gefördert.

Matrak Kampfsport in der heutigen Türkei

Am 15. Juni 2010 hat Profi-Kämpfer Efkan Çalış unter der GSDF für den Matrak Sport ein Regelwerk geschaffen, die die Athleten nach Gewichtsklassen und Alter unterteilen. Jeder Kampf besteht aus zwei Runden und dauert 2 Minuten. Nach den neuen Regeln werden die Wettkämpfe in den Sommermonaten im Freien ausgetragen, im Winter dagegen in Sporthallen.

Obwohl insgesamt 3 Schiedsrichter jeden Kampf leiten, basiert die Grundidee auf sportlicher Fairness. Zu diesem Zweck sollen die Sportler, den osmanischen Ahnen folgend, vor jedem Kampf symbolisch den Gegner zum Kampf höflich einladen und sich bedanken. Nach dem Kampf entschuldigen sich beide Parteien für etwaige, unabsichtlich erfolgte unfaire Attacken oder Aktionen.

Auch die sportliche Härte wurde stark gedrosselt und Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ähnlich wie in anderen Kampfsportarten mit Waffen, sind die Kontrahenten verpflichtet eine Schutzausrüstung zu tragen. Die Waffen bestehen aus weichen Materialen, die auch bei härterer Gangart keine wesentlichen Verletzungen verursachen.

 

 

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