Okçular Tepesi – Helden des 15. Juli

Okçular Tepesi – Helden des 15. Juli

Zweifelsohne war der 15. Juli 2016  für die türkische Republik ein einschneidendes Erlebnis. Millionen Staatsbürger haben sich tapfer gegen Putschisten aus den eigenen Reihen aufgelehnt und bewaffneten Soldaten, Panzern und sogar Kampfjets getrotzt. 249 Menschen haben dabei ihr Leben geopfert. Dem heldenhaften Entgegentreten der Zivilgesellschaft wurde das Buch “Okçular Tepesi” gewidmet, in denen die Geschichten von Einzelschicksalen erzählt werden. Der iranisch-türkische Künstler Reza Hemmatirad verlieh mit seinen Zeichnungen den Geschichten eine visuell eindrucksvolle Tiefe.

Okcular tepesi
Okcular tepesi

Links

Kaufmöglichkeit bei Amazon.de

Was bedeutet “Okçular Tepesi”?

Im Jahre 625 befahl der Prophet Mohammed (s.a.v.) während der Schlacht von Uhud 50 Bogenschützen den Uhud Berg vor 3000 feindlichen Quraischern zu schützen. Als die muslimischen Bogenschützen ihren Posten verließen, weil sie dachten, die Schlacht sei gewonnen, errang der Gegner die Oberhand und eroberte die Fahne. Dieser Hügel ist heute bekannt als der sog. “Okçular Tepesi” (dt. „Bogenschützenhügel“).

Der 15. Juli symbolisiert für die Türken gewissermaßen ein Antonym, da Sie „ihren“ Bogenschützenhügel nicht verlassen und nach dem Putschversuch noch tagelang auf den Straßen gewacht haben. Mehr als ein Jahr sind nun vergangen. Übrig geblieben sind die Geschichten derer, die in jener Nacht ihr Leben verloren und Familie hinterlassen haben. Geschichten, die aus einem Hollywood Streifen hätten entstammen können – der Unteroffizier Ömer Halisdemir, der durch seinen Einsatz die Erschlagung des Putschversuchs erst möglich machte und im Anschluss an seine Heldentat erschossen wurde, Erol Olçok, der gemeinsam mit seinem 16 jährigen Sohn Abdullah Tayyip den Tod fand oder der Fotojournalist Mustafa Cambaz, der nicht einmal die türkische Nationalität hatte.

Wer ist Reza Hemmatirad

Der gebürtige Iraner Reza Hemmatirad hat Grafik-Design an der Azad Universität in Teheran studiert und lebt seit 2002 in der Türkei. Dort war er in den Bereichen Kunst und Film tätig und hat darüber hinaus Kinderbücher sowie Romane verfasst. 2007 hat er im Rahmen des von der UNESCO ausgerufenen Jahres des islamischen Mystikers Mevlana den Kurzfilm „7 Städte“produziert und wurde dafür im Tribeca Film Festival honoriert. Seither unterrichtet er die Kunst moderner Miniaturen, in der er türkische und persische Einflüsse gekonnt zusammenführt.

Der Aufruf der sela war eines der wichtigsten Elemente jener Nacht, der die Menschen am meisten berührt und ermutigt hat.

65 Bilder in 15 Tagen

Kurz nach dem misslungenen Putschversuch hat kein geringer als Bilal Erdogan, Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der gleichzeitig Mitglied des Gründungskuratoriums der Okcular Stiftung ist, ihm die Teilnahme an dem Projekt angeboten. Reza, der angibt ähnliche Szenen im Krieg zwischen dem Iran und Irak erlebt zu haben und durch seine Bindung zu der Türkei bereits emotional belastet war, habe sofort zugesagt und aus dem ihm vorgelegten Pressefotos der Putschnacht innerhalb 15 Tagen insgesamt 65 Bilder gezeichnet. „Die Fotos hatten eine enorme Wirkung auf mich, aber ich habe dennoch das gezeichnet, was ich gefühlt habe. Ich habe die Geschichten gelesen und mich gefragt, welche Komposition dazu passen könnte“ erklärt er in einem Interview mit der Istanbuler Kunst und Ausbildungs Plattform ISMEK.

Seine Bilder sind keine Nachzeichnungen der Pressefotos sondern geben das heldenhafte Eingreifen der türkischen Bevölkerung für ihren freien Willen wider, wie sie Reza Hemmatirad gesehen, gelesen und gefühlt hat. Manche wirken verstörend, andere wiederum symbolisieren Hoffnung und wieder andere finden Parallelen zum Befreiungskrieg kurz vor Gründung der Republik, die durch reine Glaubenskraft gewonnen wurde.

Eines der Bilder ist gewidmet dem Imam der Edirnekapı Mihrimah Sultan Moschee Adem Küçük, der unmittelbar nachdem er den Putschversuch registrierte den „sela“ aufrief – zu Friedenszeiten als Erinnerung für das Freitagsgebet, zu Kriegszeiten als Ermahnung und Aufforderung zum Widerstand. Den Stellenwert erklärt Reza wiefolgt: „Der Aufruf der sela war eines der wichtigsten Elemente jener Nacht, der die Menschen am meisten berührt und ermutigt hat.“

 

Verwandte Artikel

Leave a Comment

Kommentar verfassen