Anatolien, Du Schöne: Die Erkundung eines im Verborgenen blühenden Gartens

Anatolien, Du Schöne - Heinz Scharf
© Heinz Scharf auf Fototheater-Hautnahes.de

„Ich war schon mehrere Male in der Türkei…“ lautet oft die Antwort auf die Frage, ob jemand die Türkei kennt. Meistens wird aber damit nur die Mittelmeerregion gemeint, die Badestrände mit ihren Hotels und den deutsch sprechenden „Gasteinwohnern“. Bei der Frage, wo Anatolien liegt, fallen die Antworten sehr spärlich aus.

Anatolien, Du Schöne - Heinz Scharf
Anatolien, Du Schöne
Die Erkundung eines im Verborgenen blühenden Gartens

Shaker-Media-GmbH, 2012

279 Seiten, Softcover , umfangreiches Quellenverzeichnis,
23 ganzseitige Farbfotos
ISBN 978-3-86858-850-7

22,90 Euro

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Also zogen wir aus, um auf diese Frage eine Antwort zu finden. Und es zeigte sich, daß Anatolien tatsächlich in der Türkei als Ostanatolien, Südostanatolien und Zentralanatolien zu finden ist, soweit es die politischen Grenzen betrifft. Aber die anatolische Geschichte, die anatolischen Traditionen und Kultur richten sich nicht nach diesen willkürlichen Grenzen. Eng verknüpft über Jahrhunderte mit den heutigen östlichen und südlichen Nachbarn der Türkei, prägten diese eine Kultur, die sich zur westlichen, kleinasiatischen doch noch stark unterscheidet.

Ob wir das wahre Anatolien fanden? Wir wissen es nicht. Aber wir begegneten Menschen, von denen wir glaubten, daß sie wie wir denken und fühlen, und doch andere Seiten als gewohnt offenbarten. Wir stießen nach und nach auf Traditionen, von denen wir annahmen, es gäbe sie nicht mehr. Wir standen vor über 8000-jährigen steinernen Zeugen einer Geschichte, deren letzte Geheimnisse immer noch nicht entschlüsselt sind. Wir bewegten uns auf einer Erde, die sich von todbringenden Machtkämpfen vieler Völker mit Menschenblut vollgesaugt hat. Erschrocken stellten wir fest, daß rohe Gewalt immer noch ein Mittel zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen ist.

Der Ansturm der Moderne aus dem Westen auf eine sich schwer vom Althergebrachten trennen wollende Lebensauffassung, eine für uns beiderseitig ungewohnte Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, bildet eine nicht schnell und fehlerlos zu überwindende Kluft.

Doch zwischen all diesen Dingen liegt eine freundliche Herzlichkeit, eine innere Schönheit, die der erkennt, der sie auch sucht. Manche Mädchenaugen blitzen auch unter Kopftüchern den Fremden selbstbewusst an, viele der dunkeläugigen, schwarzbebarteten jungen Männer überlassen den Müßiggang anderen. Nachkommen der in den 60iger Jahren nach Deutschland Ausgewanderten sehen in der Heimat ihrer Eltern zunehmend eine Zukunft.

Die Landschaft mit ihrer teils urtümlichen Wildheit, ihren kahlen, farbigen Schluchten, ihren gestauten Flüssen und Seen, ihren uralten und auch neuen Klöstern und Gotteshäusern, ihren Ruinen von Burgen und Schlössern, ihren unter der Oberfläche schlummernden, aber sich mehr und mehr zu erkennen gebenden Schätzen, ist mehr als nur der Hintergrund zu diesem Bühnenbild der anatolischen Gesellschaft.

Von der Hauptstadt des ehemaligen Kaiserreiches Trabzon nahmen wir unseren Weg entlang der Grenze zu Georgien, Armenien, dem Iran, der autonomen Region Kurdistan im Irak, und Syrien. In der zentralanatolischen Stadt Ankara, Hauptstadt der Türkei seit 1923, endete unsere mit überreichlichen Eindrücken versehene Reise.

Trotz aller theoretischen Vorbereitungen stellte das Erleben für uns ein völlig neues Bild dar, oft erst im Nachhinein entschlüsselbar. Erst dann konnten wir von Anatolien, der Schönen, den Schleier ein wenig lüften und ihren Glanz und ihre Anmut erahnen.

Daraus ergibt sich auch, daß das vorliegende Buch kein Reiseführer im allgemein benutzten Sinn, sondern eine sehr persönliche Betrachtung der bei dieser „Expedition“ erlebten Welt ist. Die zahlreichen Quellenangaben zu den einzelnen Kapiteln bilden im Gegensatz dazu ein ungeschminktes Abbild der zeitnahen Realität.

Ich hoffe, daß der Leser bei der Erkundung dieses im Verborgenen blühenden Gartens unseren Wissensdurst, unsere Ängste und unsere Freuden ebenso wie unsere Zuversicht teilen wird.

Neuenhagen, Juli 2012

Heinz Scharf

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